Schwindel – Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Wenn mich die Beschäftigung mit Schwindelpatienten eines gelehrt hat, dann dass es keine eindeutige Symptomatik für oder gegen eine Schwindelerkrankung gibt. Ein Lagerungsschwindel kann auch durch eine Neuropathie vorgetäuscht werden, oder durch Gefäßkontakte oder durch Tumore.

Gleiches gilt für den M. Menierè, mittlerweile habe ich in vielen Fällen meine eigene Diagnose widerrufen und den Patienten damit eine deutlich bessere Therapie anbieten können.

Ich habe in den letzten Jahren erschreckende Krankheitsverläufe in meiner Schwindelsprechstunde berichtet bekommenn. Nur weil Lehrmeinung ist, dass es ausreicht eine Anamnese zu erheben und ein paar klinische Untersuchungen zu machen. Es wurde auf eine vollständige Diagnostik verzichtet und falsche Schlüsse aus der Krankengeschichte gezogen.

Übersehene Tumor, Gefäßverschlüsse, Schlaganfääle die keine waren und unzählige sogenannte eingebildete oder psychisch kranke, die einfach nie richtig untersucht wurde.

Oft war ich frustriert und desillusioniert, wie leichtfertig Patienten nicht geglaubt wird.

Das unverständliche an der Medizin ist, dass ein derartig komplexes Thema wie Schwindeldiagnostik oder Therapie immer in ein Schwarz / Weiss Schema gepresst wird. Auch in Selbsthilfegruppen finden sich immer wieder kluge Menschen, die sagen: Wenn es keine 30 kurzen Anfälle pro Tag sind, dann kann es keine Paroxysmie sein. Auch muß kein Drehschwindel vorliegen. Es gibt zahlreiche Arbeiten, die über jede Art von Schwindel berichten. Gerade im Neurochirurgischen Bereich wird der Übergang vom Sekunden zum Dauerschwindel häufiger berichtet.

Schwankschwindel ist Angstschwindel ist eine meine “Lieblingsmerksprüche”. Diese Einschätzung stammt aus einer Zeit als man noch nicht wußte, dass auch nur die Otolithenorgane (Sakkulus und Utrikulus) erkranken können. Heute können wir jeden einzelnen der Ohrrezeptroen überprüfen, teilweise sogar in verschiedenen Frequenzbereichen. Trotzdem landen extrem viele Patienten in diesem Schubladendenken in der falschen Schublade.

Wissenschaft bedeutet nicht an Thesen festzuhalten, sondern diese jeden Tag aufs neue zu hinterfragen und das eigene Wissen in Frage zu stellen. Bei den meisten Schwindelerkrankungen handelt es sich mitnichten um gesicherte Mechanismen, sondern um Thesen. Thesen sind nur solange gültig, bis man Sie durch eine Gegenthese ersetzt.

Einige anerkannte Schwindelerkrankungen sind teilweise abenteurliche Konstrukte, wenn man Sie mal aus einem anderen Standpunkt hinterfragt. Leider tuen dies wenige, sondern verweisen auf vermeintlich gesicherte Erkenntnisse.

Ich behaupte nicht, dass ich Recht habe. Ich möchte nur meine eigenen Zweifel versuchen darzustellen und zum Nachdenken anzuregen. Damit viele Patienten neue Ansätze bei Ihren Problemen und Hilfestellung bei Ihren Schwindelbeschwerden erhalten.