Wieso gibt es in der Schwindelambulanz Sinsheim häufiger die Diagnose Vestibularisparoxysmie

Ganz einfach: weil diese für uns eine wichtige Differentialdiagnose geworden ist, und keine exotische Diagnose mehr darstellt. In der Literatur spricht man von 10% bis 30% Gefäß Nervenkontakten. Dann dürfte ich in meinem Patientengut aber nicht über 80% Nervenkontakte haben, wenn hier kein Zusammenhang bestünde.

Die meisten Patienten, die sich bei uns vorstellen, waren schon in vielen Ambulanzen und bei unzähligen Ärzten. Somit handelt es sich nicht um eine allgemein repräsentativen Auszug einer Patientengruppe, sondern um eine Ausgesuchte.  Damit habe ich ein hoch signifikantes Ergebnis, welches belegt, dass ich in meinem Patientengut 50% mehr Gefäß -Nervenkontakte nachweisen kann als in anderen Veröffentlichungen.

Natürlich habe ich auch keine Standardauswahl an Patienten. Bei mir werden hauptsächlich Patienten untersucht, die schon bei vielen anderen Experten waren.

Daher sind die anderen häufigeren Krankheitsbilder bei mir mittlerweile die Seltenen geworden. Ich sehe kaum noch Lagerungsschwindel- oder echte Menierepatienten, denn diese sind schon alle erfolgreich in Behandlung. Ich habe den ausgefilterten Rest, und hier finden sich einfach sehr viele Patienten mit diesem Krankheitsbild.

Mir wird gerne vorgeworfen, dass ich nicht an psychischen oder phobischen Schwindel glaube. Das ist falsch. Auch ich stelle diese Diagnose,  aber sehr zurückhaltend, und auch nur,  wenn ich sicher bin, nach derzeitigem Stand nichts übersehen zu haben.

Dazu müssen deutliche, nicht durch neurologische Mechanismen erklärbare Phänomene stattfinden.

Ich frage mich ehrlich, wie es sein kann, dass bei den 2500 Patienten,  die 2016 bei uns waren, nur ca. 800 ein MRT im Vorfeld erhalten hatten. Nur 400 hatten geeignete Aufnahmen, um einen Gefäß Nervenkontakt überhaupt zu erkennen. Davon wurde die Ader in gerade mal 10% der Fälle vom Radiologen oder behandelnden Kollegen beschrieben.

Wir haben im letzten Jahr ein Kind in der Praxis gehabt, dem ein MRT verweigert wurde, mit der Begründung die Probleme kämen von Schulstress. Dieses Kind hatte einen riesigen Hirntumor (einen typischen in diesem Alter) und die Behandlung kam jetzt erst sehr spät. Das macht mich persönlich wütend und traurig.

Auch ein junger Unternehmer war bei uns, und hatte kein MRT bekommen mit einem ähnlichen Verlauf und Befund.

Mich hat mal ein Patient als Fanatiker im Bereich Schwindel charakterisiert, und er fand das gut. Genauso ist es ! Ich liebe dieses detektivische Puzzlespiel.

In Sinsheim und Umgebung sind die Radiologen mittlerweile hoch aufmerksam auf die Häufung von Gefäß Nervenkontakten geworden.

Alle CD’s werden in der Schwindelambulanz Sinsheim in einem eigenen PACS (Radiologischen System)  mit CE Zulassung von uns neu befundet, bearbeitet und auch mittels Multiplanarer Rekonstruktion  und anderen Darstellungsmöglichkeiten akribisch nach Pathologien durchforstet.
Auch jedes MRT, das aus anderen Gründen in unserer HNO – Praxis angefertigt wird,  wird befundet und siehe da: Bei Patienten ohne Schwindelanamnese sind diese Gefäß – Nervenkontakte auf einmal deutlich seltener vorhanden.

Der Mechanismus eines Pulsationstraumas ist von der Trigeminusneuralgie bekannt. Auch die Okulomotoriusmyoklonie, Fazialismyoklonie und andere Krankheitsbilder folgen den gleichen Gesetzen.

Auch die Lageabhängigkeit des Schwindels, wenn die Ader in den inneren Gehörgang hineinreicht, ist logisch und nachvollziehbar zu erklären, und Sie läßt sich auch im Bild darstellen. Diese Darstellung ist zwischenzeitlich durch einen befreundeten Radiologen gemacht worden.

Interessant ist auch die fast 100% ige Korrelation der pathologischen Befunde mit der Seite der Gefäß Nervenkontakte. Beispiel “Hörsturz”, ein Krankheitsbild, welches eigentlich keines ist und nur bedeutet, dass auch der Arzt nicht weiß, warum der Patient nichts hört. Manchmal hat der Patient auf der Hörsturzseite auch ein Pulssynchrones Ohrgeräusch  im MRT, eben genau auf dieser Seite eine Ader. Gleiches gilt für die Neuropathie und häufig auch für die Fazialisparese.

Natürlich gibt es nicht nur diese Diagnose bei uns, sondern im Grunde jede andere bekannte Ursache auch. Bis hin zu absoluten Exoten wie dem Muckle – Wells Syndrom oder der Okulomotorusneuropathie, Bogengangsdehiszenzen und auch schwerwiegende Fälle mit der Amyotrophen Lateralsklerose oder auch Hirntumoren und anderen Krankheiten.

In der Woche, bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, hatten wir fast ausschließlich Patienten mit einer Neuropathia Vestibularis oder Morbus Meniere behandelt.

Das ist genau der Grund, warum tatsächlich ein großer Teil der diagnostizierten  Paroxysmien der letzten Jahre in unserer Ambulanz erkannt und behandelt wurden.

Darauf sind wir sehr stolz und bedanken uns bei allen Patienten, die uns vertrauen,  und die in den vielen Selbsthilfegruppen Online, Whatsup, Facebook etc. sich gegenseitig austauschen.